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Kolumne Januar 2019











„Suche Frieden und jage ihm nach“ – Jahreslosung aus Psalm 34,15

Ich gehe gerne in die Schule, auch als Lehrer wohlgemerkt. Für jede Stunde in der Starnberger Fachoberschule und im Gymnasium in Icking überlege ich mir, welches Ziel ich mit dem Unterricht konkret erreichen will. Der Lehrplan erwartet, dass ich mich dabei an den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler orientiere. Ähnlich hält es auch der Kollege, aus dessen Feder in der Bibel der 34. Psalm überliefert ist. Nach einem langen Dankgebet (in den Versen 2-11) hat er für uns (in den Versen 12-23) eine Lehrstunde in Sachen Weisheit parat.

Wie fängt man ein Thema an, von dem man als erfahrener Pädagoge erwartet, dass es die Schülerinnen und Schüler nicht von sich aus sofort anspricht? Der Kollege Psalmbeter beginnt mit einem damals üblichen Eröffnungsruf an die Schülerinnen und Schüler (Psalm 34,11). Dann nennt er in kluger Didaktik ganz am Anfang auch gleich das Thema der Stunde: es geht darum, uns zu einem Leben in Gottesfurcht hinzuführen. Diese Gottesfurcht soll aufnehmen, was unsere wahre Leidenschaft ist (34,13) und im Blick haben, mit welcher Haltung man am besten vor Gott lebt (34,14-15). In der anschließenden Erarbeitungsphase wird der Unterricht konkret, er beschreibt, welche Folgen eine solche Haltung in unserem Alltag dann haben wird (34,16-22). Eine Sicherungs-phase fehlt. Weil aber zu Beginn schon das Thema „Leben vor Gott“ anklang, ist sie womöglich dieses Mal entbehrlich. Zur Not muss das Thema eben erneut behandelt werden …

Auf die zentrale Frage, wie man im Leben glücklich wird, kann nur jeder Mensch seine eigene Antwort durch die Praxis geben, jeder verantwortungsbewusste „Lehrer“ wird da nur Hinweise geben. Das gilt allgemein, aber so natürlich auch für das junge Jahr 2019. Und dies sind die Hinweise des wei-sen Lehrers aus dem Psalm 34:

„Behüte deine Zunge vor Bösem
und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.
Lass ab vom Bösen und tue Gutes;
suche Frieden und jage ihm nach!“
Psalm 34,14-15

Im Einzelnen klingt das zunächst nicht originell, andere haben uns das auch schon gesagt. Glücklich im Leben wird, wer vorher bedenkt, was er sagt, und wer lieber auch einmal nicht sofort Widerworte gibt, auch wenn er Recht hat, die oftmals alles nur eskalieren – ein kluger Rat auch für alle, die heutzutage öffentlichkeitswirksam zu reden haben. Deeskalation schon in der Sprache wäre auch in Starnberg und Umgebung ein veritables Motto fürs neue Jahr ...

Glückliches Leben bedeutet zudem, so empfiehlt es uns der Weisheitslehrer der Bibel, möglichst viel Distanz zum Bösen suchen und auch zu halten - erfahrungsgemäß wird man sonst schneller in einen Strudel hineingezogen, als einem lieb ist. An dessen Ende zu oft ein Abgrund der Bosheit das Gute zu verschlucken droht …

Stattdessen sind wir aufgerufen, Gutes zu tun – und wir wissen ja, was gut ist, es ist uns gesagt und vertraut: „Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der Herr, der Gott Zebaoth, gnädig sein dem Rest Josefs“ (Amos 5,15).

Und überhaupt sollten den vor allem Frieden suchen. Und, wenn wir ihn erkannt haben, müssen wir den Frieden ihn haschen, sollen ihm nachjagen, können diesen flüchtigen Genossen wie einen Hasen jagen und ihm auch sonst in allem nachlaufen und nachstreben. Erlegen werden wir ihn eh‘ nicht, dass sei allen biblischen Tierschützern versprochen. Es wäre schon gut, wenn wir uns zu seinen Spießgesellen machen würden.

Der Frieden als Anführer unseres Zuges durch das Jahr, das soll die Losung für 2019 sein.

Pfarrer Dr. Stefan Koch

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