„Der Herr ist mein Hirte“, der Psalm 23 ist wohl der weltweit bekannteste und meistzitierte aller Psalmen.
Sie kennen ihn sicher auch alle. Aber haben Sie seine Worte auch schon einmal gefühlt?
Ich war gerade auf einer Schiffsreise mit einem kleineren Schiff, nur 26 Kabinen, an der schottischen Westküste unterwegs. Mit dem Bus wurden wir durch die braun, rostrot und gelb herbstlich gefärbten Highlands bis zum Boot gefahren. Überall zwischen den Herbstfarben, egal, wie hoch der Hügel war, blitzten weiße Punkte auf: Schafe! Friedlich grasend. Wussten Sie, dass es in Schottland 5 mal so viele Schafe gibt wie Einwohner?
Nachdem wir das Schiff betreten hatten, erfuhren wir, dass wir nicht auslaufen werden, weil sich ein schwerer Sturm angekündigt hatte. Wir lagen im Hafen, gut vertäut und sicher an der Pier. Während der Nacht wurde es sehr rau! Der Kapitän warf die Motoren an, um das Schiff stabil in Lage zu halten. Dann wurde es laut auf dem Gang, unsere Kabine lag direkt hinter der Brücke, und das Schiff schaukelte heftig. Aber, wir fühlten uns sicher, Angst hatten wir nicht, der Kapitän und seine Crew waren sehr erfahrene Seeleute. Trotzdem meinte der Kapitän später, dies sei der heftigste Sturm gewesen, den er je erlebt hatte.
Der Sturm wuchs zu heftigen Windstärken 10-11 mit Orkanböen bis Stärke 12 an.
Gottseidank erfuhren wir erst am nächsten Tag, was sich in dieser Nacht tatsächlich ereignet hatte!
Fast hätte sich das Schiff losgerissen, einige Haltetaue waren tatsächlich gerissen. Das mag man gar nicht für möglich halten, so dick, wie diese sind. Ein großer Fender war geplatzt und ein elektrisches Beiboot wurde wohl von einer Orkanbö ins offene Meer hinausgetrieben und ward nicht mehr gesehen. Der 1. Offizier ist mitten in der Nacht zum Leuchtturm marschiert, um neue Taue zu besorgen und das Schiff wieder sicher fest zu machen.
Dann flaute der Wind plötzlich ab, und wir durften langsam in Richtung des Caledonien Canal auslaufen.
Es hatte endlich auch aufgehört zu regnen, so dass wir an Deck gehen konnten.
Plötzlich riss der Himmel auf, Licht suchte seinen Weg durch die dunklen Wolken, und dieses Foto entstand.
Ich lehnte an der Reling und spürte eine tiefe Ruhe und Dankbarkeit in mir.
Eine Passagierin gesellte sich zu mir und sprach aus, was ich gerade fühlte:
„The Lord is my shepard.“
Bleiben Sie behütet.
Dr Gunhild Kilian-Kornell
