Für den, der Jesus verloren hat,
gibt es zwei Wege zu ihm zurück.
Der eine führt über Jerusalem,
der andere über Oberammergau.
Wie gut, mag man in diesen Tagen kriegsbedingt geschlossener Lufträume über dem Nahen Osten denken, dass es wenigstens dieses zweite Schlupfloch gibt, das Francis Bourne, der einstige Erzbischof von Westminster, da in seinem Vierzeiler benennt. Zu finden sind die Worte im Vorspann des Romans von Robert Löhr „Oberammergau“, der (gerade erschienen) wunderbar wuchtig die Entstehungsphase des weltberühmten Passionsspiels für uns auferstehen lässt.
Wie gut, dass wir solch irdische Wege doch eigentlich gar nicht brauchen. Weder über Jerusalem noch über Oberammergau. Jesus selbst hat uns längst gefunden durch Kreuz und Auferstehung hindurch, ja, noch ehe wir überhaupt selbst merken konnten, wie sehr wir ihn verloren hatten. Das ist sein Ostergeschenk an uns. Doch wird es lebendig – in uns?
Wie gut, dass wir neben aller theologischen Theorie auch immer wieder ganz irdische Zeichen geschenkt bekommen. Symbole, die uns helfen können, die Wahrheiten vom Kopf ins Herz fließen zu lassen. Ein solches Zeichen war für mich die lodernde Feuerschale, die von einem jungen Engel getragen in der Inszenierung der Passionsspiele in Oberammergau von 2022 inmitten der pechschwarzen Alpenkulisse den auferstehenden Christus symbolisiert hat. Dieses Bild hat sich mir förmlich eingebrannt. Der Auferstandene bringt Licht ins Dunkel dieser turbulenten Welt. Er bringt Licht ins Dunkel meines eigenen, oft selbst verschatteten Lebens. Er brennt hell und warm – für mich, für Dich, die wir noch manchmal denken, dass wir den verloren haben, der uns doch längst gefunden hat.
Dr. Philipp Hildmann