Der Februar hat nichts Spektakuläres zu bieten. Kein erstes Grün. Kein warmes Licht. Man steht auf, setzt Kaffee auf und schaut aufs Handy. Und die Welt ist schon wach. Laut. Fordernd. Jede Nachricht will Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit. Empörung. Ein schnelles Urteil.
Man kommt kaum dazu, selbst wach zu werden.
In diese Unruhe setzt die Kirche einen anderen Rhythmus. Nicht als Flucht. Eher wie ein Atemzug.
Die Vorfastenzeit ist eine Pause für Menschen, die merken, dass sie nur noch reagieren. Die Fastenzeit ist kein religiöses Training. Sie ist ein Weg zurück zur Mitte. Zu dem, was trägt.
Zwei Bilder helfen dabei:
Das erste stammt aus dem Buch der Offenbarungen: Johannes auf einer Insel. Abgeschnitten. Unter Druck. Er sieht keine Zukunft wie einen Fahrplan. Die Gegenwart hingegen sieht er klarer. Er sieht kleine Lichter. Leuchter. Kein Flutlicht. Keine Bühne. Nur treue Lichter im Dunkel. Und mitten unter ihnen steht Christus. Nicht fern, sondern nah bei den Menschen.
Johannes fällt nieder. So reagiert ein Mensch, wenn die Wahrheit ihn trifft. Und dann geschieht etwas Einfaches: eine Berührung. „Fürchte dich nicht.”
Das ist eine Botschaft für heute. Du musst nicht stark wirken. Du musst nicht glänzen. Du darfst müde sein. Du darfst gehalten werden.
Das zweite Bild zeigt den Propheten Ezechiel im Exil. Alles wackelt. Die Identität, der Halt.
Doch Gott richtet ihn auf. Er stellt ihn auf die Füße. Glaube hat mit Haltung zu tun. Mit Stand.
Dann bekommt er ein Wort. Er soll es nicht nur hören, sondern eine Schriftrolle essen. Sie enthält Klage und Schmerz. Und doch wird es im Inneren süß. Nicht, weil Leid schön ist, sondern weil die Wahrheit klärt. Sie macht frei.
Das ist der Sinn dieser Wochen: weniger Oberfläche, mehr Tiefe. Weniger Scrollen, mehr Nachdenken.
Beschleunigung verändert uns. Sie macht uns dünnhäutig. Wir fällen schnelle Urteile.
Entschleunigung ist kein Luxus. Sie hilft uns, einen klaren Kopf zu bewahren.
Das Angebot der Fastenzeit bedeutet nicht, dass ich mir etwas beweisen muss.
Fasten heißt: Ich mache Platz.
Platz für Stille. Für ein kurzes Gebet. Für ein ehrliches Gespräch.
Man kann loslassen, was einen antreibt. Dauer-Online. Dauer-Reaktion.
Und man kann das tun, was trägt. Ein fester Rhythmus. Ein Gottesdienst. Ein Dienst für andere.
Wenn Sie anfangen wollen, dann klein.
Setzen Sie sich hin. Hören Sie zu. Sprechen Sie einen Satz. Gehen Sie auf jemanden zu.
Die Fastenzeit ist ein Vertiefen. Ich wünsche Ihnen Kraft, Lust und Gottes Geist, um inmitten der Hektik anzukommen.
Ihr Pfarrer Simon Döbrich